Sonntag, 3. März 2013

Martin Niessen - Der kleine Japaner

Japan Fukushima Buch
Dank Blogg dein Buch hatte ich die Chance das E-Book "Der kleine Japaner" von Martin Niessen zu lesen, was dank seines Untertitels "Das Land der aufgehenden Sonne und abrauchenden Atomkraftwerke" auf mich sehr anziehend wirkte, denn dass es nicht so bierernst ist kann man hier schon sehr gut erkennen. Erschienen ist das Buch im Verlag Dotbooks. Wer hier schon länger mitliest weiß, aus diesem Land kann ich selbst ein paar Anekdoten erzählen, habe ich dort doch auch ein Jahr gelebt und freue mich so auch immer wieder zu erfahren, wie es anderen Ausländern, oder Gaijins, wie der Japaner sagt, dort ergangen ist. Gerade im Hinblick auf die Atomkatastrophe in Fukushima, am 11.03.2011, finde ich dieses Buch sehr interessant, denn die meisten Ausländer flüchteten damals aus dem Land, in dem der Betreiber, TEPCO, nicht so richtig verraten wollte was passiert ist, bloß der Autor, Martin Niessen, der wurde genau deswegen nach Tokyo versetzt, um von dort aus Reportagen für seinen Arbeitgeber, das ZDF, zu drehen.

Dieses Buch ist aus dem Blog von Martin Niessen entstanden, den er zu seinem Aufenthalt in Japan, von April 2011 bis Juni 2012 geführt hat und genau so mutet es auch an, es ist in einzelne, unabhängige kleine Geschichten gegliedert und jede von diesen widmet sich meist einer Skurrilität des japanischen Alltags. Man merkt auch am recht lockeren Schreibstil schnell, dass dies kein herkömmlicher Roman ist, was ich sehr erfrischend finde und was dieses Buch zur perfekten Lektüre für zwischendurch macht.

Das Buch behandelt allerlei Skurrilitäten des japanischen Alltags, die ich selbst so auch erlebt habe, denn auch wenn es sich so liest, das was Martin Niessen hier beschreibt sind keine bloßen Vorurteile, sondern Dinge die einem im Land der aufgehenden Sonne wirklich so passieren. Da ist man gern mal überfordert mit dem Hightech-Klo, wundert sich über das komische Frühstück aus kaltem Fisch, hat bei der ersten Begegnung Probleme die Kloschlappen zu verstehen und überhaupt wirkt vieles fremd und skurril und wie bei den meisten Reisenden sind es genau diese Geschichten, die man zu Hause erzählt, die auch hier im Blog erzählt werden. Das Japan durchaus auch seine Vorzüge hat und super tolle Seiten, das klingt auch hier zwar an, geht allerdings vor lauter Skurrilitäten fast etwas unter.

Ein bisschen schade finde ich, dass die Atomkatastrophe hier ein bisschen kurz kommt, es geht wirklich mehr um Sachen im japanischen Alltag, über die der Autor sich wundert und weniger um den eigentlichen Reaktorunfall, dieser kommt höchstens am Rande vor. Hier hätte ich auf Grund des Titels etwas mehr Inhalt zu diesem Thema erwartet. Schön finde ich, dass jedes Kapitel mit einer kurzen Einleitung zum gesellschaftlichen und politischen Geschehen in Japan, wie auch in Deutschland zu dieser Zeit begonnen wird, denn vieles hat man so genau einfach nicht mehr auf dem Schirm.

Insgesamt finde ich dieses Buch ganz gut, ich würde ihm 4 von 5 Sternen geben, weil die Anekdoten aus dem Alltag einfach schön erzählt sind und ich vieles davon sehr gut nachfühlen konnte, ein paar Mal fühlte ich mich wirklich in mein Auslandsjahr zurückversetzt. Den einen Stern ziehe ich nur ab, weil leider der Reaktorunfall nur so nebenbei behandelt wird.

Empfehlen würde ich dieses Buch allen, die andere Kulturen nicht so verbissen positiv sehen, sondern auch über die Skurrilitäten lachen können und nicht alles was hier beschrieben wird zu ernst nehmen. Ausserdem ist dieses Buch sicher gut geeignet für alle, die zum ersten Mal nach Japan reisen, denn nach der Lektüre kann man zumindest einige typische Ausländerfehler vermeiden.

Bestellen könnt ihr das Buch bei Interesse hier.

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